DIE RAUHNÄCHTE

12 Rituale für die Zeit zwischen den Jahren

Die Rauhnächte bezeichnen die Zeit zwischen Weihnachten und 6. Januar und stellen eine besondere Zeit dar, die eine lange Tradition hat. Diese dunkle Zeit lud früher die Menschen ein, zur Ruhe zu kommen, sich Geschichten und Märchen zu erzählen, das Alte hinter sich zu lassen und in die Zukunft zu schauen. Auch wenn man sonst nie von den Rauhnächten gehört hat, sind diese Tage mit ganz besonderen Bräuchen wie zum Beispiel die Heilige Nacht vom 24. und 25. Dezember, Silvester am 31. Dezember und die Drei-Königs-Nacht vom 5. auf den 6. Januar verbunden.

 

Die Rauhnächte werden auch als die „Zeit zwischen den Jahren“ bezeichnet. Der Name bezieht sich auf die Differenz zwischen dem Sonnen- und Mondjahr. Der Sonnenlauf beinhaltet in 12 Monaten 365 Tage, die zwölf Mondmonate jedoch nur 354 Tage. Die Differenz beträgt 11 Tage bzw. 12 Nächte. Für die Menschen war es früher eine heilige und auch magische Zeit, in der das Jahresrad still stand. In diesen Nächten, an der Schwelle zwischen dem alten und neuen Jahr, stehen die Tore zu unserer inneren Weisheit besonders offen. Wir können diese Zeit nutzen, um Vergangenes zu reflektieren und zu verabschieden und Neues in unser Leben einzuladen.

21. Dezember: Einstieg in die Rauhnächte

Manche zählen die Wintersonnenwende am 21. Dezember, den kürzesten Tag des Jahres, als Teil dieser besonderen Zeit. An diesem Tag kannst du dich mit deinen persönlichen Wünschen befassen und alles zu Papier bringen. Schreibe dir auf 13 Notizzettel je einen Wunsch für das neue Jahr auf und lege sie jeweils einzeln gefaltet in ein Gefäß. Ab dem 25. Dezember kannst du jeden Tag einen Zettel ziehen, ungeöffnet in die Erde legen oder verbrennen. Das, was am Ende bleibt, öffnest du – daran kannst du ganz bewusst im Neuen Jahr arbeiten. 

 

 

Beginn der Rauhnächte

Wenn du magst, kannst du für die Dauer der 12 Rauhnächte sowohl am Tag als auch am Abend mehr Ruhe und Achtsamkeit in dein Leben einladen. Sich Zeit nehmen für Reflexion, Meditation, um alte Themen abzuschließen, Klarheit über deine Vision für das neue Jahr zu gewinnen, deinen Körper mit Spaziergängen in der Natur oder warmen Bädern zu würdigen: all das kann neben den üblichen Zusammenkünften mit Familie und nahen Menschen dein persönliches Geschenk für dich sein. 

 

Vielleicht magst du jeden der 12 Abende/Nächte in Stille beginnen, eine Kerze anzünden oder räuchern. Eine bewusste Markierung des Beginns und des Endes eines Rituals geben dem Ganzen einen stimmigen Rahmen. Such dir eine gemütliche Ecke in deinem Zuhause aus, wo du ungestört sein, und dich ganz auf dein Ritual konzentrieren kannst. 

 

Deine Begleiter für diese Zeit können sein:

· Notizbuch

· Schreibzeug

· Offener Geist

· Stille und Ruhe

· Deine Lieblingsmusik

· Fotos, Bastelmaterialien für eine Collage

· Spaziergänge in der Natur

· Achtsamkeit während des Tages

· Tägliche innere Einkehr (z. B. Meditation)

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Folgende Fragen für jede der 12 Rauhnächte können dir als Inspiration für ein Journaling dienen und dich zu Selbstreflexion anregen. Du kannst selber hineinspüren, welches Thema für dich an dem jeweiligen Abend dran ist und die Fragen flexibel einsetzen bzw. dir selber passende Fragen ausdenken.

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25. Dezember

Was habe ich in den letzten 12 Monaten erlebt?
Was war für mich herausfordernd? Was durfte ich dadurch lernen?
Was war gut im alten Jahr, wofür bin ich dankbar?
Wer waren meine wichtigsten Begleiter?

 

*

Vielleicht magst du an diesem Tag/Abend explizit jemandem dafür danken, dass er/sie/es dich durch dieses herausfordernde Jahr begleitet hat. 

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26. Dezember

Wenn ich auf die vergangenen 12 Monate zurückblicke:
Welchen Weg bin ich gegangen? Wo stehe ich gerade?
Was hat sich seit Beginn des Jahres um mich herum und in meinem Leben verändert? Was habe ich zu Ende gebracht? Was ist noch offen? Was darf ich verabschieden, um ganz in Frieden mit mir zu sein?

 

*

Vielleicht hast du einen Song, der dich durch das Jahr besonders begleitet hat. Wir laden dich ein deinen Emotionen einen Ausdruck zu verleihen und dieses Jahr mit diesem Song und vielleicht sogar mit deiner Stimme zu würdigen. Einer unserer Lieblingssongs während unserer Life Rituals Abende war zum Beispiel dieser hier:

Alexia Chellun „The Power Is Here Now“

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27. Dezember

Was ist meine Herzensangelegenheit?
Wo fühle ich mich lebendig? Was bereitet mir Freude?
Wer oder was schenkt mir Energie?
Wann bin ich mit meinem Herzen verbunden? Was hilft mir dabei, verbunden zu bleiben?

 

*

Herzmeditation

Mach es Dir bequem und sorge dafür, dass Du die nächste halbe Stunde nicht gestört wirst. Schließe Deine Augen und beginne damit dich zu entspannen und tief und langsam zu atmen.

 

Verbinde Dich dabei mit dem Herzen. Spüre die Dankbarkeit für diese Welt, die Natur, ihre Schönheit, ihre Fülle und Großzügigkeit von der wir leben – ehre die Wunder dieses Planeten und wenn Deine Liebe für diese Erde am größten ist, schick’ sie zum Mittelpunkt der Erde, wie ein Lichtstrahl, und sei neugierig, was als Antwort zurückkommt.

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28. Dezember

Wer sind meine Freunde und Wegbegleiter?
Wer oder was tut mir gut?
Mit wem bin ich wo gerne zusammen? 
Was brauche ich, um im neuen Jahr gut für mich zu sorgen?

 

*

Vielleicht magst du an diesem Tag oder dem Tag darauf mit einem alten Freund telefonieren, eine E-Mail oder Karte schreiben – jemanden, mit dem du schon länger vor hattest in Kontakt zu treten, jemanden, der dir am Herzen liegt.

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29. Dezember

Diesen Abend magst du vielleicht deinem Körper widmen.
Ein warmes Bad, Yoga, Berührung, Bewegung – schenk deinem Körper etwas, was dir guttut.

Welche Bewegung tut meinem Körper gut?
Wie achte ich meinen Körper?
Was würde er mir darüber erzählen, was er gern tun würde?
Wie kann ich im nächsten Jahr gut für meinem Körper sorgen?

 

*

Vielleicht magst du dich auf dem Boden legen und einfach spüren, welche Bewegung dein Körper gerade braucht. Gehe diesem Impuls nach, dann halte inne für einen Augenblick. Warte, bis der nächste Impuls aus dem Körper kommt und gehe diesem erneut nach. Bewegung und Stille können sich mehrere Minuten lang abwechseln. Du kannst dabei die Ebenen wechseln – vom Liegen ins Sitzen, vom Sitzen ins Stehen. 

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30. Dezember

Welche Gewohnheiten möchte ich im neuen Jahr verändern?
Mit welchen alten Themen möchte ich mich versöhnen?
Wem oder was möchte ich noch vergeben? 
Was braucht noch einen Abschluss?

 

*

Nutze diesen Tag, um im Innen und Außen Raum für Stille zu schaffen. Vielleicht magst du alleine in Stille einen Spaziergang in der Natur machen. Und dann die Stille mit nach Hause nehmen, dich in deinem Zuhause umschauen: Welche Ecken sind aufgeräumt und fühlen sich gut an? Welche Zimmer/Ecken bräuchten mehr Ordnung und Klarheit? Was brauchst du wirklich zum Leben? Was brauchst du nicht mehr unbedingt? Dies könnte dich dazu inspirieren, im neuen Jahr Ordnung zu schaffen, auszumisten, Dinge du verschenken, die du nicht mehr benötigst.  

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31. Dezember

Wozu rief mich das Leben in diesem Jahr immer wieder auf? 
Was sagt dies über meine Lebensaufgabe?
Welche Vision für das neue Jahr kann mir helfen, meine Lebensaufgabe zu erfüllen oder meinen ureigenen Weg zu gehen?
Mit wem möchte ich diesen Weg gehen? Wer könnte mich dabei unterstützen?

 

*

Damit eine Vision kraftvoll wirken kann, braucht es eine Integration zwischen Kopf, Herz und Körper. Die Sinnesmodalitäten, die uns zur Verfügung stehen: visuell, akustisch und kinästhetisch können bei dieser Integration hervorragend helfen. 

Visuell:
Wenn es eine Landschaft gäbe, die zu deiner Vision passen würde, welche Landschaft wäre das? (Naturbild oder Stadt; gibt es andere Menschen, Tiere oder Lebewesen; hell, warm, kühl, weit, bunt?)


Akustisch:
Wenn es ein Wort oder Geräusch gäbe, das zu deiner Vision passen würde, was wäre das? (auch Stille kann eine akustische Qualität sein) 


Kinästhetisch:
Würde eine Bewegung oder Geste zu deiner Vision passen, welche wäre das? Probiere diese aus und spüre in den Körper hinein, wie sich diese anfühlt. Wo im Körper spürst du eine Veränderung?

 

Durch die verschiedenen Repräsentationen hilfst du deinem gesamten Organismus deine Vision für das kommende Jahr zu integrieren, abzuspeichern, so dass diese bereits in dir arbeiten kann und in Aktion treten kann.

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1. Januar

Welche Qualitäten sind mir wichtig für das neue Jahr?
(Schreib ein/zwei Wörter für dein persönliches Neujahr auf)
Was brauche ich, um glücklich und erfüllt zu sein?  
Wo nehme ich die Fülle in meinem Leben wahr?  
Wo schränke ich meine Vorstellung von der Fülle in meinem Leben ein? 

 

*

Wenn du magst, kannst du folgendes Gedicht
als Kontemplation nutzen:

Alles, was du siehst, hat seine Wurzeln

In der unsichtbaren Welt.

Die Formen ändern sich,

doch die Essenz ist die gleiche.

Jedes süße Wort wird verklingen, 

jeder schöne Augenblick verblasst.

Doch sei nicht verzagt.

Die Quelle, aus der es entspringt, ist ewig,

wächst, verzweigt sich,

bringt neues Leben und neue Freude.

Warum weinst du?

Die Quelle, aus der es entspringt, ist in DIR,

und die ganze Welt 

sprudelt daraus hervor.

Die Quelle ist voll,

ihre Wasser fließen für immer;

trauere nicht,

trinke, soviel du willst!

Denn sie wird niemals austrocknen, 

dies ist der endlose Ozean.

 

RUMI

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2. Januar

Was möchte ich im neuen Jahr ernten?
Wie möchte ich dem Leben dienlich sein?
Wie kann ich meine Erfahrungen, mein Licht sichtbar machen?
Was kann und will ich an andere Menschen weitergeben?

 

*

Wenn du magst, kannst du dir dein eigenes Visionboard (Collage) basteln mit Lieblingsbildern, Farben und Überschriften, die zu deiner Vision und Wünschen für das neue Jahr passen. 

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3. Januar

Wenn ich auf meine bisherige Lebensreise zurückblicke, was habe ich schon alles erreicht? Was sind meine wichtigsten Stärken, Ressourcen und Talente? Was in meinem Leben habe ich schon durchgestanden und gemeistert?  Was hat mich bewusster, stärker und weiser gemacht?

 

*

Wieder mal Zeit für Musik. Unser Vorschlag: das Stück von Tina Turner „Beyond“. Visualisiere vor dir deinen Siegesweg von der Geburt bis jetzt. Während die Musik läuft schreitest Du ganz bewusst Schritt um Schritt und spürst hinein welche Station deines Lebens es war und welche Kraft, Weisheit, Energiequalität du dort spürst. Im Jetzt angekommen wiederhole das Bild, das Wort und die Gäste aus dem Ritual der siebten Rauhnacht und spüre hinein in deine schönste und beste Zukunft.

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4. Januar

Wofür bin ich in meinem Leben dankbar?
Welchen herausfordernden Erfahrungen bin ich dankbar, da diese mich etwas Wichtiges gelehrt haben?
Was habe ich von meinen Ahnen gelernt oder mit auf den Weg bekommen, das mir hilft, meinen Lebensweg zu gehen?
Welchen Ratschlag würden mir meine Ahnen geben?

 

*

Vielleicht hast du alte Fotoalben, die dich an deine Ahnen und deren Qualitäten erinnern, die jetzt in dir weiter fließen. Vielleicht magst du dich an eine alte Tante oder eine deiner Großeltern erinnern, an kleine Geschichten und Anekdoten, die du mit ihnen verbindest und die dein Leben bereichert haben. Wenn du möchtest kannst du dir vorstellen, wie deine Ahnen dich segnen und ihre Kraft und Weisheit dir zufließen lassen. Du kannst dich symbolisch vor ihnen verbeugen und Danke sagen. Spüre nach wie es bei dir ankommt und was es mit dir macht. 

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5. Januar

Welche neuen Erkenntnisse aus dem Ritual nehme ich mit ins neue Jahr? Was möchte ich gern loslassen? 
Was braucht noch Zeit? Welche kleine Initiative möchte ich in den nächsten 3 bis 4 Wochen starten, um meiner Vision für das neue Jahr ein Stück näher zu kommen?

 

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Beschreib so konkret wie möglich erste praktische Schritte eines Prototyps, bei dem du deine Vision für das neue Jahr erproben kannst. Es kann sich um eine Initiative, Projekt oder ein Experiment handeln, wodurch du jetzt schon Samen für das neue Jahr sähen kannst.  Denk an die Menschen, die dich dabei unterstützen könnten. Setz dich mit ihnen in den nächsten Tagen in Verbindung, um ihnen von deinem Vorhaben zu erzählen und dir Feedback einzuholen.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Beende für dich das Ritual der Rauhnächte mit einer Meditation, Musik, Räuchern, Danksagung, alles, was dir hilft, einen guten Abschluss für diese besondere Zeit zu finden.
Wir wünschen dir eine besinnliche und inspirierte Zeit zwischen den Jahren und einen freudvollen Übergang ins neue Jahr 2021!

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BUCHTIPP

Vom Zauber der Rauhnächte – 

Weissagungen, Bräuche und Rituale für die Zeit zwischen den Jahren
Vera Griebert-Schröder & Franziska Muri (2017),

Irisiana Verlag, München.

28. Januar

19–21:30 Uhr​

NEUJAHRES-RITUAL

Wenn du deine Vision für das neue Jahr noch mehr stärken möchtest, laden wir dich herzlich ein zu einem Neujahresritual via Zoom.